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Corporate Volunteering im Spotlight

Interview zu Corporate Volunteering und Employer Branding

Reiner Kriegler hat Stephanie Frost (Geschäftsführerin und Mitgründerin vostel.de) auf den heißen Stuhl gesetzt und gelöchert:

Wie passen eigentlich Corporate Volunteering und Employer Branding zusammen? Was verbirgt sich hinter dem Begriff Corporate Volunteering überhaupt, und inwiefern können sich dadurch Win-Win-Win-Situationen ergeben? Worauf ist dabei besonders zu achten? DEBA ist in die Materie eingetaucht und hat sich die wichtigsten Fragen rund um‘s Thema von einer Expertin beantworten lassen.

 

DEBA: Corporate Volunteering (CV) klingt stark nach einem neuen Buzzword. Was verbirgt sich denn dahinter?

Corporate Volunteering ist ein Hauptbestandteil des Corporate Citizenship Portfolios und bedeutet die Freistellung der Mitarbeiter/innen für bürgerschaftliches Engagement. Anders als bei der klassischen Geldspende stellen Unternehmen beim Corporate Volunteering also anstelle monetärer Ressourcen ein gewisses Zeitbudget sowie das Know-How und die Skills ihrer Mitarbeiter/innen zur Verfügung, um sich für gesellschaftliche Belange zu engagieren. In den USA ist CV schon seit Jahren gängige Praxis. Auch in Deutschland wird das Thema zunehmend relevanter. Von verschiedenen Seiten erhöht sich der Druck auf Unternehmen, ethisch verantwortungsbewusst zu handeln und einen Beitrag zur Überwindung gesellschaftlicher Herausforderungen zu leisten. Zwei von drei Führungskräften schätzen ehrenamtliches Mitarbeiterengagement daher als wichtiges Thema für ihr Unternehmen ein. Im Schnitt stellen Unternehmen, die CV anbieten, ihre Mitarbeiter/innen für 1,8 Tage im Jahr für den guten Zweck frei. Unterstützt werden dabei überwiegend lokale Community-Projekte in der Nähe des Arbeitsplatzes (etwa Renovierungen im Nachbarschaftsheim oder die regelmäßige Unterstützung in Unterkünften für Geflüchtete). Richtig angegangen wird Corporate Volunteering zu einer Win-Win-Win-Situation.

 

DEBA: Win-Win-Win-Situation. Wer profitiert denn von Corporate Volunteering?

Für Unternehmen bietet CV die Chance, unternehmerische Verantwortung zu demonstrieren und hat – sofern strategisch angegangen und langfristig verfolgt – positive Auswirkungen auf die Unternehmenskultur. Als Unternehmen „Gutes tun“ wirkt sich positiv auf die allgemeine Unternehmensreputation aber auch auf die Arbeitgebermarke aus.

 

Für Non-Profit-Organisationen lohnt es sich, mit Unternehmen zu kooperieren, da diese oft größere Projekte ermöglichen, die aufgrund fehlender Ressourcen andernfalls womöglich gar nicht realisierbar wären. Das funktioniert auch schon bei einmaligen und kurzfristigen Projekten sehr gut. Sogenannte „Social Days“, bei denen sich ca. 20 bis 30 Mitarbeitende einen Tag lang gemeinsam engagieren, sind für NPOs oft eine großartige Hilfe. Das ist auch meistens ein ganz guter Startpunkt, um sich als Unternehmen an Corporate Volunteering „heranzutasten“ und den ersten Kontakt mit einer NPO zu knüpfen. Idealerweise ergeben sich daraus längerfristige Kooperationen zwischen Unternehmen und Non-Profit-Organisationen, die für beide Seiten Mehrwerte bietet.

 

Den Mitarbeiter/innen gibt CV grundsätzlich Freiräume und die Möglichkeit, sich aktiv am Unternehmensengagement zu beteiligen. CV Aktivitäten werden häufig im Team unternommen, das wirkt sich positiv auf den Teamzusammenhalt und das Betriebsklima aus. Erste Studien stellen eine positive Korrelation zwischen CV und der Mitarbeitermotivation und sogar der Arbeitsproduktivität her. Eine weitere positive Impulswirkung ist der Ausbau von Social Skills. Davon abgesehen macht so ein „Social Day“ einfach Spaß und ist bei den Mitarbeiter/innen eine sehr willkommene Abwechslung zum Arbeitsalltag.

DEBA: Du hast erwähnt, dass sich Corporate Volunteering auch auf die Arbeitgebermarke auswirkt. Kannst Du das näher erläutern?

Gesellschaftliches Engagement ist heute eine Investition, deren Rendite sich auf mehrfache Weise zeigen kann. Corporate Volunteering hilft bei der Positionierung als werteorientierter Arbeitgeber, der Verantwortung für Dritte übernimmt und dessen Geschäftstätigkeit von ethischen Werten flankiert wird. Gerade Großunternehmen sehen CV als Differenzierungsinstrument im „War for Talents“ an. Insbesondere für die junge Generation, die sogenannten Millenials, denen Attribute wie Sinnsucher und Weltveränderer zugeschrieben werden, ist die Corporate Culture sehr wichtig. 88% erwarten von ihrem Arbeitgeber, dass auch soziale und ökologische Faktoren in die Geschäftstätigkeit integriert werden. 61% der Millenials möchten bei einem Arbeitgeber arbeiten, der sich gesellschaftlich engagiert. Für viele High Potentials steht nicht mehr nur allein das Geldverdienen im Vordergrund, vielmehr möchten sie in ihrer beruflichen Tätigkeit einen Sinn sehen und sich mit den Werten ihres Arbeitgebers identifizieren können. Engagement ist Teil einer gelebten Unternehmenskultur und bedeutet Mitverantwortung. CV kann als wirkungsvolles Tool eingesetzt werden, um Unternehmenswerte jenseits der Profitmaximierung zu leben und jungen Talenten das Gefühl von sozialer Verantwortung und proaktiver Mitgestaltung zu vermitteln. Das kann als Differenzierungsmerkmal am Markt genutzt werden.

 

DEBA: Und was kann man dabei falsch machen? Was sind die typischen Fehler, die Unternehmen beim Corporate Volunteering machen?

Bleiben wir beim Stichwort Employer Branding: Wenn CV nicht strategisch angegangen wird, macht es keinen Sinn. Dann ist es nur etwas „Aufgestülptes“, das gar nicht wirklich im Unternehmen gelebt und nicht Teil der Unternehmenskultur wird. Unternehmen geben dann viel Ressourcen für Campaigning aus.

 

CV braucht verlässliche Rahmenbedingungen und klare Verantwortungsbereiche. Für das Gelingen von CV Aktivitäten ist daher eine gute Projektorganisation und ein effektives „Freiwilligenmanagement“ wichtig. Der organisatorische Aufwand, der mit der Realisierung von Unternehmensengagement einhergeht (Absprache mit der NPO, Aufgabenplanung, Materialbesorgung, konsequente Vorbereitung der Mitarbeiter/innen und Anleitung vor Ort etc.) wird gerne unterschätzt. Damit es nicht zu einem Mehraufwand für die NPO wird und die Beteiligten auch Spaß bei der Sache haben, ist unbedingt eine gute Planung notwendig. Daher kommuniziere ich interessierten Unternehmen auch gerne gleich zu Beginn, dass ein Budget für Corporate Volunteering Aktivitäten eingeplant werden sollte.

 

Konkrete Zieldefinitionen werden aktuell noch eher selten vorgenommen. Nur etwa 1/3 aller deutschen Großunternehmen definiert Ziele, was für die Planung, Steuerung und Erfolgsbeurteilung der Aktivitäten allerdings wichtig ist. Unternehmen, die sich für das Thema Corporate Volunteering interessieren, unterstützen wir gerne bei der Gestaltung passender Programme sowie bei ihrer Implementierung und Wirkungsmessung. Gerne vermitteln wir auch Kontakte zu entsprechenden Non Profit Organisationen.

Über Stephanie Frost

Als Mitgründerin der Freiwilligenplattform vostel.de arbeitet Stephanie Frost täglich daran, Corporate Volunteering auf ein neues, wirkungsvolleres Level zu heben und einen Mehrwert für beide Seiten – Unternehmen und soziale Organisationen – zu schaffen.

Kernthemen ihres Masterstudiums sowie Schwerpunkt ihrer Berufserfahrungen waren die Bereiche Human Resources und Employer Branding.

 

Kontaktdaten

Stephanie Frost
stephanie.frost@vostel.de
+49 (0)30 88 696 272

www.vostel.de

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